Thorsten Soltau
Zwischen Plunderphonic und konkreter Musik
Das bewusste Verwenden von Fremdzitaten sowie
die Auseinandersetzung mit Verfall und Störelementen (in Form gesampletem
Schallplattenknisterns oder dem Einbinden von analogem Kassettenrauschen zum
Beispiel) ist als eine Facette am ewig neu formierten Werk Thorsten Soltaus zu
sehen. Die Musik bewegt sich zwischen Minimalismus und digitalem Tonbandschnitt,
zwischen Plunderphonic und Präparation bestehender Instrumente.
Der halb
analog-halb digital ausgeführte Klangsurrealismus bleibt bei aller reichhaltigen
Zitation klassischer Experimentalelemente intim und nahbar; die bisweilen als
imaginärer Soundtrack angelegte Klangkulisse arbeitet dabei auf der
zwischengelagerten Ebene mit Emotionen und persönlichen Erfahrungen, welche
zunächst in den musikalischen Entstehungsprozess eingebunden und später
veredelt, neu strukturiert werden. Das bewusste Ausblenden einer wiederkehrenden
Linie (dem roten Faden) erlaubt dabei eine Fokussierung auf den tatsächlichen
musikalischen Ausdruck, ähnlich einer stets individuell verfassten Formulierung.
Die Einflüsse auf Thorsten Soltau’s Werk liegen dabei im Werk von Künstlern wie beispielweise Nurse With Wound oder Vicki Bennett und dem Bezug auf Klangarbeiten, die im wesentlichen auf die konzeptuelle Freiheit abstellen. Die Verwendung von Filmauschnitten und –dialogen zeigt jedoch eine ähnlich gelagerte Verhaltensweise: das visuell wahrgenommene Spiel von Emotionen (beispielsweise in Dramen oder gesellschaftliche Themen aufgreifenden Spielfilmen) wird dabei auf die ebenfalls gefühlstechnisch aufgewertete Musik aufgepflanzt und soll als Verdeutlichung und Kenntlichmachung innerhalb der Soltau’schen Musik dienen.

Pressefoto: HERR PENSCHUCK/feindesign